ALBERT CASTIGLIA "GRITS & GLORY": NUR NICHT EINSCHLAFEN - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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ALBERT CASTIGLIA "GRITS & GLORY": NUR NICHT EINSCHLAFEN

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Da steht er also auf dem Cover, der Albert: den Kragen seines Dufflecoats (ich vermute, es ist einer, bin aber modisch nur sporadisch bewandert) nach oben gezogen, als wolle er dem englischen Wetter entkommen. Denn der Turm des Westminster-Palasts ragt präsent am rechten Bildrand hervor und verortet den Amerikaner mit italienischen Wurzeln auf den alten Kontinent. Das kommt nicht von Ungefähr.

Selbst wenn der Blues seine Ursprünge in Amerika hat, waren es vornehmlich Briten, die dem Genre die Rockemphase injizierten. The Rolling Stones, aber auch Eric Clapton oder Rory Gallagher sind da sicherlich hervorzuheben und dürften auch Albert Castiglia musikalisch sozialisiert haben. Und so hat sich der Mann für sein neues Werk die heiligen Hallen der Abbey-Road-Studios ausgesucht, um "Grits & Glory" zu realisieren. Ob der Aufnahmeort zusätzlich Magie in seine Stücke gepumpt hat, sei dahingestellt. Geschadet hat die Atmosphäre des Studios sicherlich nicht.

Seine Liebe zu diesem Ort zeigt er schließlich in "Yer Blues", das im Original von den Beatles stammt und eine weihevolle Hommage an die Gründerväter zeitgenössischen Bluesrocks ist. Doch "Grits & Glory" ist keine endlose Lobpreisung, sondern in erster Linie ein Kommentar zur Lage der Welt. Das wird bereits beim ersten Stück "In My America" deutlich. Darin besingt der Mann mit der kraftvollen Stimme über den ernüchternden Status Quo eines gespaltenen Landes.

In seinen Songs bringt er die große Unsicherheit unserer heutigen Zeit mit groovenden und klassischen Blues-Rock-Stampfern aufs Tablett. "Uncertainty" oder "I'm Afraid To Fall Asleep" sind von einer inneren Unruhe und Rastlosigkeit geprägt, ohne aber vollends in eine Hoffnungslosigkeit abzurutschen. Albert Castiglia sucht immer nach dem Konsens, nach der Möglichkeit, in der beschissenen Zeit doch noch die Kehrtwende zu vollführen.

Dazwischen ist aber auch immer noch Raum für ein bisschen Talentprotzerei. In den Instrumentalen "Sack The Juggler" und dem jazzig angehauchten "Afro Blue" gniedelt sich der Mann selbstvergessen durch die Botanik. Eine klare Reminiszenz an eine Zeit, als nicht enden wollende Soli aller Beteiligten zum guten Ton gehörten. Gerade solche Stücke klingen wie aus der Zeit gefallen. Während Popmusik der kurzen Aufmerksamkeitsspanne des tiktokgeschädigten Klientels mit Songs unter zweieinhalb Minuten entgegenzukommen versucht, macht Castiglia genau das Gegenteil. Und das ist gut so.

Es geht hier nicht um die Frage, ob "handgemachte" Musik besser ist als elektronische Klangperfektion. Alles hat seine Berechtigung (und wer UNTER.TON aufmerksam verfolgt, wird erkannt haben, dass wir uns um ein breites musikalisches Sprektrum bemühen). Es geht hier einzig um allein um das Gefühl. Und dies findet sich bei "Grits & Glory" zuhauf. Albert Castiglia ist ein versierter Musiker (nicht umsonst heimst er regelmäßig den Blues Music Award für sein Schaffen ein), der sein Handwerk versteht und mit seinen Songs einen nachgerade zum Zuhören nötigt. Denn sinngemäß einem seiner Titel gilt: Nicht einschlafen! Dafür spielt die Welt zurzeit zu sehr verrückt. Sein perfekt arrangierter Blues-Rock hilft dabei, Müdigkeitsphasen zu überbrücken.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 17.08.2026 | KONTAKT | WEITER: KONTRAST "IMPERIUM: PROTEUS">

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Cover © Gulf Coast Records

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                                                     © ||  UNTER.TON |  MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR | IM NETZ SEIT 02/04/2014. ||
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