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ROBOTS OF THE 80S "LOGIC DRAMA": FUTURISMUS IN DIGITALEN ZEITEN

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Anfang dieses Jahres hatten die Betreiber der Musikplattform Bandcamp eine weitrechende Entscheidung getroffen, die in den (sozialen) Medien intensiv (und auch kontrovers) diskutiert wurde: Das amerikanische Unternehmen verbietet KI-generierte Musik,  das heißt: "Musik und Audio (Sprachstücke), die vollständig oder teilweise mit KI erstellt wurden." Ein drastischer Schritt, der uns bewusst macht, dass die neue Technologie mittlerweile nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in Kunst und Kultur angekommen ist - mit bislang noch nicht absehbaren Folgen. Momentan überwiegt mehr die Skepsis als die Zuversicht.

Inmitten dieser Debatten bricht "Logic Drama" von Robots Of The 80s als ein profuturistisches Manifest inmitten unseres digitalen Zeitalters ein. Denn Heiko Wersing, kreativer Kopf hinter diesem Projekt, war von Anbeginn an fasziniert von den Robotergeschichten des Schriftstellers Isaac Asimov und lauschte passenderweise den Klängen von Kraftwerk. Mittlerweile beschäftigt er sich unter anderem mit dem humanoiden Roboter ASIMO der Firma Honda. All seine Überlegungen und Erkenntnisse bündelt er nun in "Logic Drama" - und zeigt sich aber weniger dramatisch, denn hoffnungsvoll.

Dennoch: Da ist zunächst die Angst und der Zweifel, wenn in "Elevate" die Frage aufgeworfen wird, ob im Kräftemessen zwischen Künstlicher Intelligenz und menschlicher Existenz wir die Unterlegenen sind. Sylvia Wersings warme und emotionale Stimme und der klassische Vocoder-Gesang von Heiko bilden die beiden Pole Mensch und Maschine. Ausgang ungewiss.

Doch auch Maschinen haben Gefühle. Wenigstens in nachfolgender Nummer "Klara". Es handelt sich dabei um den gleichnamigen fürsorglichen Roboter aus Kazuo Ishiguros "Klara und die Sonne". Um androide Sorgen und Nöte geht es auch bei "Digital Feelings", in dem ein Roboter seine Menschlichkeit verstecken und funktionieren muss. In solch einem Stück steht Robot Of The 80s mit seinen Betrachtungen am Scheitelpunkt zwischen Homo sapiens und Automat, denn eine Lesart des Textes als Kritik unserer sozial immer kälter werdenden und auf Leistung geeichten Gesellschaft wäre auch möglich.

So oszilliert das Album unter satten Synthieklängen und drückenden Beats zwischen Humanismus und Futurismus. Dabei geht es den 80er-Robotern nicht um Lösungen oder einer Ultima Ratio. Das können und wollen sie nicht leisten. Aber sie stellen die entscheidenden Fragen, welche die Hörerschaft für sich beantworten muss und sich somit positionieren kann. Deswegen vielleicht auch der eigentlich konträre Titel: "Logic Drama" vereint beide Pole. Das technisch-logische der Maschinen und das fühlende, dramatische des menschlichen Geistes. Bei Heiko Wersing finden sie ein Übereinkommen.

Völlig abgesehen von den interpretatorischen Möglichkeiten, die das Album bietet, ist "Logic Drama" auch eine Platte für die Tanzschuppen. In einem Dj Set zwischen Trans-X' "Living On Video" und "Galactica" von den Rockets würde sich eine Nummer von Robots Of The 80s harmonisch einfügen. Und Asimow und ASIMO tanzen dazu.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 13.02.26 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 3/26>

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