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MESH "THE TRUTH DOESN'T MATTER": ALBUM DER ZEITENWENDE

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Wir leben in einem postfaktischen Zeitalter, das durch die rasende Entwicklung von künstlicher Intelligenz die Wahrheit zu einem fragilen Gebilde hat werden lassen. Selbst öffentlich-rechtliche Fernsehsender beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, welche Quellen und welches Videomaterial überhaupt der Wahrheit entspricht. Es entsteht eine große Unsicherheit, in der das britische Duo die provokante Sentenz reinwirft: "The Truth Doesn't Matter". Ein im Vergleich zu den früheren Albumtiteln geradezu programmatisch-punkiger Ausruf.

Es stellt sich daher die Frage, ob man angesichts der schier orientierungslosen und bisweilen chaotischen Weltlage sogar gezwungen wird, seine Kunst politisch einzufärben. Die 20er Jahre sind geprägt von gesellschaftlichen wie politischen Veränderungen, die so immens sind, dass sie einfach nicht unkommentiert bleiben können. Und wer könnte das besser als die Künstlerinnen und Künstler - leider muss man dazusagen: Noch!

Mesh werden aber keine politische Band mehr werden. Dennoch zeigt sie auf "The Truth Doesn't Matter", dass die zehn Jahre zwischen dem Vorgänger "Looking Skyward" und der aktuellen Scheibe nicht spurlos vorbeigelaufen sind. Aber das Album ist auch ein Beleg dafür, wie man geschickt die momentanen Geschehnisse in leicht verdauliche Synthie-Pop-Bonbons umwandelt. Natürlich sind der Titelsong oder der erstaunlich kantige Track "A Storm Is Coming" so etwas wie Hockings persönlicher Kommentar auf die Wirren unserer Zeit, doch explizit wird er in all seinen Texten nie. Stattdessen werden die "red flags" aufgebrochen, ihr Inhalt vom politischen Diskurs befreit und auf eine persönliche Ebene abgeleitet.

Und dann schmerzt auch manchmal die Wahrheit wie beim sehr intimen "I Lost A Friend Today", wo Mark seine eigenen Erfahrungen in seine Stimme und den Song legt. Da blitzt sie dann wieder auf, Meshs Kernkompetenz: Alternative Elektronik, intelligent arrangiert, mächtig komponiert, und zugleich feinfühlig und emotional ausstaffiert.

Gleichermaßen verstehen es die Jungs, Songs für die Tanzfläche zu konzipieren. "Exile", das relativ spät im Entstehungsprozess des Albums geschrieben wurde, ist musikalisch wie gesanglich grandios und ein weiterer Meilenstein in der über 30-jährigen Geschichte der Band. Die treibenden Sequenzen, der stetige Beat und knackige Refrain gehören zu den besten, die das Duo Hockings/Silverthorne jemals erdacht haben. Schwere Rotation in den Clubs und einen festen Platz im Live-Set des Duos werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Folgen sein.

Während sich die Welt offenkundig wie im Fieberwahn immer schneller zu drehen scheint und die Zukunft seit langem dystopische Züge trägt, versucht Mesh mit ihren 16(!) Liedern auf "The Truth Doesn't Matter" zwar nicht die Lage zu erklären, aber wenigstens Mitgefühl zu zeigen. Am Ende bleibt die Hoffnung - verbunden mit einem frommen Wunsch: "Be Kind". Nett zueinander sein, Achtsamkeit walten lassen. Das ist in diesen Zeiten die ultimative Wahrheit, die unbedingt eine Rolle spielen sollte.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 27.03.26| KONTAKT | WEITER: TWIN NOIR "CHAPTER 3">

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