ASP "RAR UND PUR": DAS ASP-KONZENTRAT (09/10/14 BACKSTAGE MÜNCHEN) - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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ASP "RAR UND PUR": DAS ASP-KONZENTRAT (09/10/14 BACKSTAGE MÜNCHEN)

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Keine Lichtshow, keine Nebelschwaden, kein episches Intro: Am ersten Abend ihrer zweitägigen Jubiläumsfeier im Münchner Backstage präsentieren sich die Gothic-Rocker von ASP überraschend undramatisch. Den 15. Bandgeburtstag feiern die Musiker in gediegenem Stil: Das Publikum sitzt und auch die Musiker machen es sich auf Hockern bequem. Einzige Ausnahme: Alexander Spreng. Den Mann mit der markanten Zopf-Frisur hält es nie lange an einer Stelle, obwohl die Songs für diese Show teilweise bis auf ihr Grundgerüst entblättert wurden. Allein: Zwangsläufig ruhiger wird es dadurch nicht. Ohne Elektronik und bisweilen auch Minus E-Gitarren kredenzt das Quintett den Zuschauern ein Potpourri der schwarzen Laune – kerniger Blues-Rock inklusive.


Unweigerlich fühlt es sich beim Anblick der mit geschlossenen Sitzreihen bestückten Backstage-Halle wie bei einem Theaterbesuch oder einer Uni-Vorlesung an. Wobei dann doch letzteres wahrscheinlicher ist, wirft man einen Blick in die meist jungen Gesichter, die sich hier eingefunden haben. 15 Jahre sind ASP zwar mittlerweile musikalisch aktiv (davon mindestens zehn Jahre an vorderster Gothic-Rock-Front) – und doch sind es mittlerweile vor allem die jüngeren Semester, die die epischen Fantasy-Geschichten für sich entdecken. An diesem Abend allerdings scheint es so, als wollte
n sich die Frankfurter tatsächlich ein bisschen älter, pardon: reifer, präsentieren. Und sich darüber hinaus auch als waschechte Musiker zeigen.

Ein nicht ganz risikofreies Unterfangen. Denn wie oft passiert es, dass sich hinter all dem Popanz, Prunk und Protz, die von einer Band eben im Studio so generiert werden, meist ein klägliches Konstrukt verbirgt. Die treue Anhängerschar jedenfalls hegt keinen Zweifel daran, dass ASP auch mit reduziertem Arrangement begeistern können – und bejubelt die Band noch vor ihrem ersten Song. Ganz so, als hätten sie bereits ihr Set absolviert und würden nun zur Zugabe schreiten. Im Grunde genommen handelt es sich bei diesem Abend auch um eine ausgedehnte Encore: Eine Extra-Show, die als Geburtstagsgeschenk an die Fans gedacht ist und die Band mal in einem weniger typischen Licht zeigen soll.

Fast gänzlich unmaskiert betritt dann auch Alexander Spreng die Bühne – passend zu den umformierten Arrangements der Lieder. Nur den typische Pierrot-Kajal um die Augen hat er sich genehmigt. "Musikalisch nackt" soll es an diesem Abend daher gehen, wie der Frontmann überraschend dezent betont. Das wirkt sich auch auf seine Bühnenpräsenz aus, die mit deutlich reduzierter Gestik auskommt.

Tatsächlich verzichten die fünf Mannen dann aber lediglich auf die üblichen elektronischen Parts. So rockt es dann auch bei "Ich will brennen" immer noch ganz gewaltig – nur eben in konzentrierterer Form und mit dankbarer Unterstützung durch das Publikum.

Als "Rar und pur" haben ASP diesen Abend betitelt. Ein Versprechen, das sie nur zur Hälfte einlösen können.

"Rar" sind die Live-Songs in der Tat: Statt der üblichen Gassenhauer werden Stücke wie "Variété Obscur" (Song zur gleichnamigen Graphic-Novel) oder "Ties" zum Besten gegeben. Letzteres entfaltet durch das herausgenommene Tempo eine noch größere Sogwirkung.

Sicherlich erfreut so ein Konzert nicht nur den Fan, sondern auch die Musiker, die sich nach Herzenslust austoben können. Da darf es dann auch mal als Intermezzo "I'm The One" von Danzig sein – eine amtliche Blues-Nummer übrigens, die Alexander da vorträgt, lediglich von einer E-Gitarre begleitet. Allerdings beißt sich sein exaltierter Gesang ein bisschen mit den erdigen Riffs, geht aber als kleines Pausenfüller-Bonbon durchaus in Ordnung.

Doch ist das Weglassen von klanglichen Girlanden gleichzeitig auch Grund genug, die Musikaufführung unter das Motto "Pur" zu stellen? Bereits 2008 tourte die Gruppe unplugged durch die Lande – nicht uncharmant, wie die DVD "Von Zauberberbrüdern" beweist. Was dort zu sehen war, kam einer "puren" Darbietung schon ziemlich nahe. Und dieses Mal?

Als "intime Semi-Unplugged-Show" beschrieb der Veranstalter im Vorfeld den ersten Teil des Doppelkonzerts, das nur in zehn Städten zu sehen sein wird. Die Probleme, die sich aus diesem Spannungsverhältnis ergeben, werden im Laufe des Abends deutlich. Nicht nur, dass die Songs kaum verändert wurden; sie stehen auch durch den Einsatz druckvoller E-Gitarren im krassen Gegensatz zu dem gediegenen Ambiente, das durch die Bestuhlung erzeugt werden sollte.

Lediglich "Die Löcher in der Menge" kommt wirklich nackt daher. Der Gesang wird nur von einer stromloser Gitarre begleitet – ein magischer Moment. Da blitzen sie auf: Die Möglichkeiten, die ASP hier leider verstreichen lassen.

Ein bestuhltes Akustik-Konzert oder ein von elektronischen Spielereien befreiter, grundsolider Rock-Gig: Eines davon hätte Sinn gemacht. Beide Varianten zu kreuzen jedoch nicht. Wie der Volksmund so schön sagt: "Weder Fisch noch Fleisch". Der ausgelassenen Stimmung in der gut besuchten Halle tut dies aber keinen Abbruch. Es wird gemeinsam gesungen, geklatscht – und eine Band gefeiert, die trotz eines etwas unschlüssigen Konzepts nichts von ihrer Begeisterungsfähigkeit einbüßt.

"Ich bin zu Haus'", singt Alexander dennn auch in "Aufbruchsstimmung" – und ein breites Lächeln zieht sich über sein Gesicht. Denn er weiß, wie sehr ihn seine Anhänger unterstützen. Und er wird es ihnen danken...

Wie? Das erfahrt ihr in Teil II unserer Konzert-Story...

BILD ZUM TEXT: FOTO-GALERIE: ASP "RAR & PUR" >>

|| TEXT: DANIEL DRESSLER || DATUM: 13.10.2014 || WEITER: ASP LIVE II "BEST OF ROCK" >


FOTOS: ANTJE BISSINGER @ UNTER.TON.


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