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EWIAN "HEART CRASH BOOM BANG": MIT KARACHO INS HERZSCHMERZZENTRUM

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Fachkundige Popmusikverfechter werden im Titel des mittlerweile dritten Ewian-Werkes sicherlich den offensichtlichen Vergleich zu Roxettes Ballade "Crash Boom Bang" ziehen. Viel verbindet das Schweden-Duo aber nicht mit der Gruppe um den gleichnamigen, kreativen Kopf aus Deutschland. Denn wo das herzschmerzige Moment bei den Schweden-Poppern in einem Meer von Streichern baden geht, fährt Ewian mit Karacho dahin, wo es weh tut und löst durch die teils flirrenden, teils verzerrten Gitarrenläufe sowie einer überbordenden Produktionen das Ticket für eine Achterbahnfahrt der Emotionen ein.

Aber das gehört schon seit jeher zum Credo des Musikers, der nicht mit seichter Kost gefallen will. Wenn jubiliert oder mit dem Schicksal gehadert wird, dann mit allen zur Verfügung stehenden Sinnen. Trotzdem scheint nach dem fulminanten Debut "Good Old Underground" und dem verfinsterten "We Need Monsters" wieder mehr Licht in seinen Kompositionen innezuwohnen. Auch wenn das intensive Artwork vom Gegenteil kündet: Dort sieht man in tiefer Nacht einen Mann im Kapuzenshirt (vielleicht Ewian himself?) auf einem Berg stehen. Unter ihm breiten sich die Lichter einer Großstadt aus. Von einer Anhöhe blickt er auf das Treiben. Unter ihm das Chaos, das pulsierende Moment einer Metropole. Und er? Wirkt geradezu statisch isoliert.


Ewian beobachtet. Vielleicht die anderen, vielleicht sich selbst. Am Ende steht das Gefühl im Mittelpunkt, das ausgelebt werden will. Auf "Heart Crash Bom Bang" scheint er sich das noch mehr zuzutrauen. So zeigt er bei "Ghost", dass er locker mit den Fatalismus-Rockern von Muse mithalten kann. Synthie Arpeggios im Bach'schen Stil, schwebende Gitarrenläufe, exaltierter Gesang, der die höchsten Höhen erklimmt: Hier offenbart Ewian, dass sein einstiger Mix aus Shoegaze und Brit-Pop immer mehr zu breit angelegten Epen avanciert. Und das ist nicht das schlechteste.


Dieser stilistische Wandel ist vielleicht auch ein wenig der übergeordneten Thematik geschuldet. Denn der Titel verrät es: "Heart Crash Boom Bang" setzt sich stärker als zuvor mit den zwschenmenschlichen Dramen auseinander. "Sorry", "Nothing Compares To You", "Love Love Hate Hate" - Ewian legt sein Hauptaugenmerk auf das ewige Mysterium der Liebe mit all ihren Fallstricken. Die Fragen, die sich daraus ergeben, sind oft genug gestellt worden. Was ist die "große Liebe"? Und warum, verdammt noch einmal, ist sie so schwer zu finden und zu händeln?

Naheliegend also, dass Ewian mit starken Gegensätzen arbeitet. Wenn die Gitarren aufheulen, klingt es wie ein direkter Stich ins Herz, während romantische Pianoparts wie bei "Placebo" einen kurzen Augenblick perfekter Harmonie erahnen lassen. Es geht rauf und runter, es wird heiß und kalt. Nur Antworten auf die gestellten Fragen gibt Ewian nicht. Vielmehr gibt Ewian in seinen Nummern den Gefühlen den nötigen Platz, damit sie sich voll entfalten können. Am Ende entscheidet natürlich der Hörer selbst, was er mit dieser tönerne Offerte anstellt. Im besten Falle sich mitreißen lassen. Das klappt bei Ewian immer am besten.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 10.04.17 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 3/17>

Webseite:
www.ewian-music.com

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COVER © EWIAN

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