DOLORES LOKAS: "UNS IST ES WICHTIG, SIEBEN ODER ACHT GUTE BANDS AUF DIE BÜHNE ZU HOLEN, ANSTATT 30 BANDS INNERHALB VON ZWEI TAGEN ÜBER DIE BÜHNE ZU JAGEN." - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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DOLORES LOKAS: "UNS IST ES WICHTIG, SIEBEN ODER ACHT GUTE BANDS AUF DIE BÜHNE ZU HOLEN, ANSTATT 30 BANDS INNERHALB VON ZWEI TAGEN ÜBER DIE BÜHNE ZU JAGEN."

Im Gespräch

Auf der Festival-Landkarte gibt es seit vergangenem Jahr einen neuen, interessanten Ort: Oberhausen. Denn dort hat erstmalig der "New Waves Day" stattgefunden, nicht nur ein löblicher Versuch, wieder in kleinerem Rahmen, sprich: an nur einem Tag mit einer Handvoll Bands, den wahren Gothic-Geist zu beschwören, sondern auch eine exquisite Auswahl an "alten Haudegen" und Novizen zu präsentieren. Kurz und pointiert zeigt Dolores Lokas vom Veranstalter Headline Concerts auf, worum es ihnen bei diesem Ereignis geht.

Hallo Dolores. Seit einiger Zeit kursiert der Begriff "Festivalsterben" durch alle Musikszenen. Das hat Euch aber nicht davon abgehalten, im letzten Jahr den "New Waves Day" in Oberhausen ins Leben zu rufen. Blieb zu Beginn nicht doch ein Rest Unsicherheit, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte?
Wir hatten die Idee schon länger, nur hatten wir es nicht umgesetzt bekommen. Klar, ein Risiko bei solch einer Veranstaltung ist immer da. Aber das hat uns nicht daran gehindert, dieses Festival durchzuziehen.

Ihr habt Euch bewusst gegen die Gigantomanie, die bei den meisten Gothic-Festivals herrscht, entschieden und  präsentiert nur an einem Tag ein halbes Dutzend Bands. Quasi ein "back to the roots", oder?
Die meisten Festivals präsentieren doch immer wieder die gleichen Bands. Wir haben uns für das Genre entschieden, womit wir groß geworden sind und deren Alben immer noch auf unseren Plattentellern ihre Runden drehen.

In der Tat ist Eure Auswahl der Bands sehr "klassisch". Letztes Jahr haben unter anderem The Mission, Cassandra Complex und The Bollock Brothers gespielt, dieses Jahr sind es The Fields Of The Nephilim, The Damned, Clan Of Xymox und Trisomie 21. Auch wenn ihr heuer mit Holygram einen veritablen Newcomer im Programm habt: wie kritisch siehst Du den Nachwuchs im Gothic Bereich?
Die Nachwuchsbands haben es überall schwer heutzutage, nicht nur im Gothic Bereich. Gerade im Computerzeitalter poppen so viele Gruppen aus Electro, EBM und Neue Deutsche Härte auf. Der Markt ist schlichtweg überlaufen. Ich muss aber auch dazu sagen, dass mich persönlich solche Bands eher nicht ansprechen. Da haben Then Comes Silence, Holygram oder auch Gravepleasures schon eher mein Gehör gewonnen.

Wie reagierten die Bands auf Eure Anfrage und der Präsentation Eures Konzeptes?
Einige finden es klasse, dass sie angefragt werden, andere wiederum möchten nicht auf solchen Festivals spielen. Das ist natürlich schade, da wir uns sehr viel Mühe gegeben haben mit dem ganzen Drumherum, damit sowohl Bands als auch Gäste zu Hundert Prozent zufrieden sind.

Hat der Erfolg des ersten Festivals  auch dazu geführt, dass mittlerweile Bands Euch von alleine anschreiben?
In der Tat. Vor allem die Nachwuchsbands klopfen bei uns an. Allerdings halten wir uns da sehr zurück, da wir eben kein klassisches Goth Festival sind und auch nicht vorhaben, ein solches zu werden. Mir tut es zwar sehr leid um die "neuen Kleinen", aber wir möchten dem Konzept treu bleiben.

Wie siehst Du persönlich den Werdegang vieler Szenefestivals wie das WGT, dem M'era Luna und dergleichen? Ist das überhaupt als eigentlich subkulturell geprägtes Ereignis noch ernst zu nehmen?
Es hat sich in den letzten 20 Jahren schon sehr verändert, eben weil auch neue Musikstile dazu gekommen sind und die klassische Post Punk und Wave Szene zurückgedrängt haben. Diese ganzen kleinen Splittergruppen bilden aber auch irgendwie eine neue Subkultur.

Als Münchner durfte ich den rasanten Aufstieg des "Dark Munich Festivals" und dessen Fall nur drei Jahre später miterleben – für mich auch etwas bezeichnend für den Wunsch mancher Veranstalter, die Dimensionen innerhalb kürzester Zeit aufzublähen. Wie wird das beim "New Waves Day" sein? Bleibt es wirklich bei nur einem Tag, wie es der Festivalname verspricht, oder behaltet ihr Euch auch vor, zu wachsen?
Natürlich hat man mit einem größeren Line Up auch eine bessere Möglichkeit, viele Richtungen abzudecken. Wenn man die klassische 80er Subkultur bedienen möchte, ist man da etwas eingeschränkt. Uns war es aber auch wichtig, sieben oder acht gute Bands auf die Bühne zu holen, anstatt 30 Bands innerhalb von zwei Tagen über die Bühne zu jagen.

Dem Line-Up zufolge würde man Euer Publikum eher in Richtung gesetzteres Alter, vielleicht 40plus schätzen. Also jene, die meistens mit den grellen Techno-Geböller und EBM-Sounds wenig anfangen können und die sich in vielen Internetforen wieder nach "autthentischen" Bands auf den Festivals sehnen. War dies die angepeilte Zielgruppe?
Nun ja, wir sind ja auch keine 20 mehr. Und ja, es war schon so, dass wir diese Zielgruppe ansprechen wollten. Was uns ganz besonders beim ersten New Waves Day gefreut hat, war der hohe Anteil an Gästen, die extra aus dem Ausland nach Oberhausen gekommen sind.

Man lernt ja auch mit jedem weiteren Festival, das man organisiert, dazu. Gibt es einige Änderungen im Vergleich zu 2017?
Da wir als Festival- und Konzertveranstalter viel Erfahrung haben, wird es hinter der Bühne kaum Veränderung geben. Wir haben uns natürlich die Kommentare der Gäste zu Herzen genommen und werden versuchen, diese zu berücksichtigen.

Vielleicht noch abschließend einen Ausblick: Wie wird sich Eurer/Deiner Meinung nach die Konzert- und Festivallandschaft weiter verändern? Und welche Rolle wird das „New Waves Day“ dabei spielen?
Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich hoffe, dass die Besucher unseres Festivals die Arbeit, die dahinter steckt, zu schätzen wissen und ihm treu bleiben. Und natürlich hoffen wir gemeinsam, dass wir neue Gesichter zu sehen bekommen beim New Waves Day 2018 in Oberhausen.

||INTERVIEW: DANIEL DRESSLER | DATUM: 15.03.2018 | KONTAKT | WEITER: DITA VON TEESE "DITA VON TEESE">

KARTEN FÜR DAS FESTIVAL SOWIE WEITERE INFORMATIONEN DAZU FINDET IHR UNTER:

www.headlineconcerts.de


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