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SIMPLE MINDS "WALK BETWEEN WORLDS" VS. ALEX SEBASTIAN "BLACKSTAR'S ASCENDING": POWER-POP GEGEN EINHEITSBREI

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Beständigkeit in der Musikbranche ist dieser Tage eher die Ausnahme. Nur wenige Bands bringen es zu einem festen Stand; das Gros besitzt eine Halbwertzeit, die nicht über die einer Drei-Minunten-Terrine hinausgeht. Diesem Umstand geschuldet, fiebert der geistig noch nicht komplett verschimmelte Musikliebhaber geradezu den neuen Veröffentlichungen jener Künstler und Gruppen entgegen, die vor mehr als 30 Jahren ihre erfolgreichen Karrieren begonnen haben und auch jetzt noch das Versprechen einzulösen versuchen, mit Popmusik die Welt ein Stück weit besser machen zu wollen.

So konnten die Simple Minds mit ihren unzähligen, musikalisch enorm verschwenderischen Singles die Charts spielend erobern, einfach weil sie das Wesen von Pop voll begriffen haben. Es hat allerdings auch etwas gedauert, ehe von den etwas arty wirkenden New Wavern in den musikalischen Wirren der späten 1970er amtliche Stadion-Rocker wurden, die mit "Don't You (Forget About Me)", "Alive And Kicking" oder "Waterfalls" gleich mehrere musikalische Meilensteine für die 80s-Pop-Annalen aufgestellt haben - um nur einige zu nennen.

In den nachfolgenden Jahrzehnten konnten die Simple Minds, von deren Ur-Mitgliedern nur noch Sänger Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill übrig geblieben sind, nicht mehr an diese Glanzleistungen anknüpfen. Nach dem deutlich elektronischerem "Big Music" von vor rund vier Jahren jedoch scheint der keltische "Spirit" wieder Besitz von den Jungs aus Glasgow zu ergreifen.

Von diesem positiven Momentum eines mehr als nur wohlwollend rezensierten Comeback-Albums angespornt, zeigt "Walk Between Worlds" die wieder aufkeimende Lust von Kerr und Konsorten, der Popmusik weitere Lieder zu schenken, deren Opulenz ganz im Gegensatz zu den kargen House-Nummern steht, die momentan in den Hitparaden ihr tönernes Unwesen treiben.


Wie also am besten gegen den grauen Einheitsbrei ankommen? Natürlich mit "Magic", einem Eröffnungsstück, der in jeder reich arrangierten Note den unbedingten Willen zur Grandezza zelebriert. Denn genau das fehlt der Popmusik heutzutage: klangliche Magie. So zaubern sich die Simple Minds auch durch "Summer", das stimmlich bisweilen zwar an die Kratzbürstigkeit eines Lemmy Kilmister (Motörhead
) reicht, durch entsprechend luftige Klänge aber gleichermaßen kuschelweich daherkommt. Dafür darf Jim an anderer Stelle, etwa beim epischen Fanfaren-Werk "Barrowland Star" erhaben wie einst David Bowie über die an alte Simple-Minds-Tugenden erinnernde Komposition hinwegsingen.

Und natürlich ist es den etwas betagteren Herren erlaubt, auf ihrem mittlerweile 18. Album auf ihre Erfolge zurückzublicken. Glücklicherweise kommt diese Retrospektive sehr unverkrampft daher. Für einen beseelten Schmunzler sorgt beispielsweise das abschließende "Sense Of Discovery", das sich ganz offensichtlich an der stakkatoartigen Bridge ihres Hits "Alive And Kicking" orientiert. Allerdings geschieht dies so charmant, das der Vorwurf des Wiederaufwärmens alter Hitstrukturen hier völlig deplaziert wäre.

Ihre Verwurzelung in der prä-digitalen-Ära schlägt sich denn auch im Artwork nieder. So prangt im Innenteil des Booklets das gute alte Testbild - eine fast in Vergessenheit geratene Errungeschaft, die einhergehend mit dem Sendeschluss dem Bürger damals die Möglichkeit einer Rund-um-die-Uhr-Berieselung verwehrte, was viellecht auch nicht das schlechteste gewesen ist. "Walk Between Worlds" ist auf ganzer Linie Gegenwartsmusik mit einem Hauch Retro-Feeling, ein sprichwörtliches Wandeln zwischen den Welten.


An Testbilder und Sendeschlusszeiten dürfte sich Alex Sebastian ebenfalls bestimmt noch erinnern. Während eben Simple Minds und andere sich langsam aber sicher an die Spitze einer neuen Pop-Generation vorarbeiteten, ist im Oberpfälzer das musikalische Interesse erwacht. Seinen frühen Wunsch, Schlagzeuger zu werden, wurde von den Eltern zwar wenig goutiert. Die Heimorgel als Alternative hat dennoch seine Wirkung nicht verfehlt.

Es sollten jedoch mehrere Dekaden ins Land ziehen, bis Alex Sebastian, mittlerweile wohnhaft in der bayerischen Landehauptstadt, nicht nur ein Instrument beherrscht, sondern von anderen Kollegen auch dazu
ermutigt worden ist, vors Mikro zu treten. Seitdem ist er vor allem in München eine nicht ganz unbedeutende Nummer, nicht zuletzt auch wegen seines ins Leben gerufenen "MuSoC-Open", einem Singer/Songwriter-Slam.

Alex Sebastian ist aber nicht der große Zampano, kein exaltierter Musiker, der sich großartig in Szene setzen will. Eher unscheinbar kommt er daher, ohne große Allüren. Wenn er allerdings singt und musiziert, wird seine Passion für großartig arrangierte Popsongs schnell sichtbar. Wenngleich mit relativ überschaubarer Bekanntheit gesegnet, ist sein Ruf bei anderen Musikern durchaus von Respekt geprägt.

So stellte
es scheinbar kein größes Problem dar, auch international renommierte Kollegen seiner Zunft für sein Album "Blackstar's Ascending" ausfindig zu machen. Schlagzeuger Jerry Marotta, der die Drumsticks bereits für Sheryl Crow oder Paul McCartney fliegen ließ, Bassist Tony Levin, unter anderem bei David Bowie und Peter Gabriel aktiv gewesen, und Trey Gunn, der die wunderbaren King Crimson mit seinem Saitenspiel unterstützt hat: Das liest sich wie eine nicht ganz zufällige Zusammenkunft und untermauert Sebastians guten Ruf über die Münchner Stadtmauern hinaus.

Bleibt nur zu hoffen, dass "Blackstar's Ascending" dementsprechend Abnehmer finden wird. Gerade in den hymnisch-elegischen Nummern wie "Rest When I'm Old", "Emotional Amok" oder "Never Will" zeigen sich die Rocknummer angenehm psychedelisch angehaucht. Ganz so, als ob Foreigner und Simple Minds zusammen im Studio jammen, während Pink Floyd an den Reglern mit einigen Effekten herumspielen.


Mit gerade mal sieben Songs (plus Instrumentale und Mixe) bleibt "Blackstar's Ascending" zeimlich überschaubar. Sie bilden dafür die Quintessenz dessen, was der Süddeutsche auf die Beine gebracht hat - und darüber hinaus belegt, dass gut gemachter Rock über die Jahre hinweg funktioniert, aller technischen Finessen der aktuellen Musikproduktionen zum Trotz.

Zum Schluss träumt der Autor: Alex Sebastian als Support der Simple-Minds-Tour. Das wär's! Denn hört man sich ihre aktuellen Alben hintereinander an, scheint diese Verknüpfung mehr als logisch zu sein. Was nicht ist, kann ja noch werden.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 20.02.18 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 2/18>


Webseite:
www.alexsebastian.de
www.simpleminds.com


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