FALK MERTEN (AFMUSIC): "IN JEDEM ALBUM STECKT EINE MENGE ARBEIT DRIN, DIE LETZTLICH NACH AUSSEN HIN NICHT SICHTBAR WIRD" - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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FALK MERTEN (AFMUSIC): "IN JEDEM ALBUM STECKT EINE MENGE ARBEIT DRIN, DIE LETZTLICH NACH AUSSEN HIN NICHT SICHTBAR WIRD"

Im Gespräch

Seine Idee war es, das beste aus zwei Welten zu vereinigen. Und es ist ihm gelungen. Falk Merten hat mit seinem Label afmusic ein gesundes Mischverhältnis aus Internetdistribution und klassischen CD-Verkäufen geschaffen, was sein afmusic-Label nun schon ins zehnte Jahr seiner Existenz geführt hat - eine kleine Ewigkeit für ein Independent-Label. Doch große Champagnerfeten wird es nicht geben, wie der aus Neufahrn bei München beheimatete Firmenchef im Interview erzählt. Spektakulär sollen lieber die Veröffentlichungen seines Labels sein - was sie schließlich auch sind.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Bestehen deines afmusic-Labels. Hättest Du zu Anfang gedacht, dass Du so lange durchhalten würdest?
Vielen Dank. Schwer zu sagen, ob ich anfangs überhaupt daran gedacht habe, wie lange afmusic existieren soll oder kann. Die Idee war ja, eine Kombination aus Netlabel und klassischer Platenfirma zu etablieren und dann abzuschätzen, ob und wie diese Idee angenommen wird. In diesen zehn Jahren hat es, neben den positiven Aspekten der Arbeit, natürlich  auch jede Menge Rückschläge und Widrigkeiten gegeben, die mich darüber haben nachdenken lassen, ob das alles auch wirklich Sinn macht - gerade wegen dieses doch sehr eng begrenzten musikalischen Rahmens. Und trotz allem ist afmusic immer noch sehr lebendig.

Du hast Dein Label eröffnet in einer Zeit als die renommierten Plattenfirmen n einer veritablen Krise steckten, da sie allesamt den digitalen Markt verschlafen haben. Wie wichtig war für Dich damals der Vertriebsweg via Internet? Schließlich hast Du ja als digitales Label angefangen...
Das Internet hat es ja überhaupt erst möglich gemacht, auch als kleines Label oder unabhängiger Künstler seine Werke einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Und als technikaffiner Mensch war es für mich ein Leichtes, dem Internet mehr Positives abzugewinnen. Allerdings fehlte mir ein Baustein zwischen den Netlabels, die ihre veröffentlichten Werke frei verfügbar gemacht haben und dem restriktiven Vermarktungsstrategien der klassischen Musiklabels. Dort haben wir dann angesetzt und eine Brücke gebaut. Neben dem kostenfreien Download haben wir von Beginn an unsere Werke in Downloadplattformen wie iTunes verfügbar gemacht. Und kurze Zeit nach dem Start des Labels kam dann auch noch die erste CD von The Search von uns auf den Markt. Aber tragende Säule des Konzeptes ist und bleibt das Internet mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten.

Du lebst ja in Neufahrn, einem kleinen Nest in Oberbayern, nahe Freising und dem Münchner Flughafen. Schätzungsweise ist da Cold Wave nicht unbedingt der angesagteste Sound in den Diskotheken. Wie bist Du zu dieser Musik gekommen?
Ich stamme ja nicht von hier und bin auch erst vor ein paar Jahren in die Nähe von München gezogen. Meine musikalische Sozialisation fand auch weniger in den Diskotheken statt, als vielmehr durch Radio – insbesondere durch Lutz Schramms "Parocktikum" auf DT64 (bitte googeln). Und das blieb dann einfach hängen – ich mag die düstere Grundstimmung dieser Musik, bin aber nicht fixiert darauf.

Dein Artist-Roster ist insofern bemerkenswert, als dass es sich ziemlich wenig bis eigentlich gar nicht um die momentanen Strömungen der Schwarzen Szene kümmert. Kein EBM, kein schwülstiger Gothic-Rock, dafür viele Bands, die sich deutlich am dunklen Sound der 80er Jahre orientieren. Willst Du damit ein Gegengewicht zum "Gothic-Mainstream" schaffen?

Wie gesagt, dahinter steckt keine Strategie oder Absicht. Das Label spiegelt einfach meinen persönlichen Geschmack wieder. Und dann gibt’s da noch diesen Spruch mit großen Haufen und Fliegen, und davon hab ich mich ein Leben lang konsequent ferngehalten.

Wie gehst Du generell bei der Bandsuche vor? Anders gefragt: Was muss eine Gruppe oder ein Musiker mitbringen, damit er bei afmusic unter Vertrag kommt?
Aktuell sind wir nicht mehr auf der Suche nach neuen Bands. In vergangenen Jahren war es oftmals ein Tipp aus dem Bekanntenkreis, Reviews, die aufmerksam machten, oder aber eine E-Mail einer Band, die auf der Suche nach Vertriebswegen ist. Dann haben wir uns das angehört und wenn die Musik ins Gesamtbild passte, nach Möglichkeiten gesucht, diese Künstler zu vermarkten. Grundsätzlich möchte ich mit den Musikern auch weniger den einen großen Hit landen, sondern eine langfristige Zusammenarbeit, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht, aufbauen. Und das ist mit Bands wie Principe Valiente, Golden Apes oder The Search auch über viele Jahre recht gut gelungen.

Wie schwer oder leicht fielen die ersten Schritte? Haben Bands Dir sofort zugesagt, oder musstest Du Überzeugungsarbeit leisten, dass sie auf afmusic veröffentlichen?
Das war mehr ein fließender Prozess. Es gab im Bereich Netlabels ein Manko an Presse-/Marketingarbeit. Diese Lücke haben wir gefüllt. Und da fiel es recht leicht, Bands von unserer Arbeit zu überzeugen. Ich hatte vor dem Label aufgrund eigener Radiosendungen ja schon eine Menge Kontakte zu diversen Bands, die interessiert an einer weiteren Zusammenarbeit waren.

Welche Momente in Deiner Laufbahn als "Plattenboss" sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Der Moment, wenn eine Veröffentlichung offiziell auf dem Markt landet. Da steckt in jedem Album eine Menge Arbeit drin, die letztlich nach außen nicht sichtbar wird. Es ist diese Anspannung, zu sehen, ob die Arbeit erfolgreich war oder ist.

Hast Du dieses Jubiläum auch gebührend gefeiert?
Falls du damit meinst, ob ich den Champagner auf meiner Privatjacht geöffnet habe…dann lautet die Antwort nein. Ansonsten war das eher ein unspektakuläres Jubiläum – mit vielen kleineren Aktionen für unsere treuesten Fans, die den Newsletter abonniert haben. Und einer kostenfreien Downloadcompilation mit einem Rückblick auf die für uns wichtigsten Bands der vergangenen 10 Jahre. Am 2. November erscheint dann noch die "10-Year Anniversary Compilation" auf CD, mit 13 Songs, die größtenteils bisher unveröffentlicht oder nie auf CD erschienen sind.

Wie werden die nächsten zehn Jahre aussehen? Sind einige neue Signings in Sicht?
Meine Glaskugel ist leider gestern kaputt gegangen… Aber mittelfristig gibt es ein paar neue Veröffentlichungen, wie beispielsweise das sehr spannende dänische Duo BlackieBlueBird im November, sowie neue Alben von (((S))) und den Golden Apes Anfang nächsten Jahres. Und vielleicht auch mal wieder neue Signings, aber da ist noch nichts konkret geplant.

|| INTERVIEW: DANIEL DRESSLER | DATUM: 08.10.2018 | KONTAKT | WEITER: IM GESPRÄCH: FLUT>

Webseite:
www.af-music.com

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