ANDRÉ SCHMECHTA: "AM ENDE MACHE ICH MUSIK NICHT NUR FÜR MICH ALLEIN." - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

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ANDRÉ SCHMECHTA: "AM ENDE MACHE ICH MUSIK NICHT NUR FÜR MICH ALLEIN."

Im Gespräch

Wie viele unkten bereits vom Tod des Buches? Durch ein digitales Überanebot würden die Menschen sich eher dem leichten Konsum bewegter Bilder hergeben, als Geschichte zu lesen. Doch die Faszination einer Lektüre, sei sie nun klassich auf bedrucktem Papier, oder als digitales Foliantensammelsurium auf einem tragbaren Bildschirm dargereicht, ist ungebrochen. Das bekommt auch André Schmechta mit, der vielen als Musiker des Elektro-Projektes X Marks The Pedwalk ein Begriff sein sollte. Denn er betreibt mit seiner Frau Estefania die "Literatur-Couch", die Bücher aus den verschiedensten Bereichen rezensiert. Lesen und Musik bringt er nun in einem Großprojekt zusammen: Music.For.Books bietet für jedes literarische Genre die passende Untermalung. Die ähnlich wie Filmsoundtracks aufgebauten Alben kommen als Instrumentalhappen auf leisen Sohlen und unaufdringlich daher. Schließlich sollen sie den Lesenden nicht ablenken, sondern das Kopfkino mit entsprechender Klangkulisse sanft befeuern. So viel sei schon mal verraten: es funktioniert hervorragend - natürlich auch ohne Buch.

Mit Deinem Projekt "Music.For.Books" lieferst Du einen universellen Soundtrack für alle Bücherbegeisterten, eingeteilt in verschiedene Genres. Welches Buch ist denn dein absoluter Favorit?
Ich lese gerne aus den Genres Science-Fiction, Mystery und Horror. Da ist einer meiner Favoriten ganz sicher immer noch Stephen Kings "Es". Aktuell finde ich "Sandtaucher", der neue Roman von Hugh Howey, und die Graphic Novel Reihe "Gideon Falls" von Jeff Lemire und Andrea Sorrentino sehr gut.

Liest Du diese Bücher auch immer mit Musik? Wenn ja, welche Alben bevorzugtest Du für einen optimalen Lesegenuss, bevor Du "Music.For.Books" realisiert hast?
Ich habe beim Lesen zuvor kaum - und wenn dann auch eher zufällig – Musik zum Lesen gehört.

Wie bist Du dann auf diese Idee gekommen, Musik für Bücher zu machen? Schließlich geht das über die bloße Realisierung eines Albums hinaus...
Da muss ich ein wenig ausholen: Neben meiner Tätigkeit als Geschäftsführender Gesellschafter einer digitalen Kommunikationsagentur bin ich Gründer und Alleingesellschafter der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG – meine Frau Stefanie (alias Estefanía – Sängerin bei X Marks the Pedwalk) ist dort die Geschäftsführerin. Die Literatur-Couch betreibt 10 Online-Magazine zu den verschiedensten Literatur-Genres, u.a. die mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete "Krimi-Couch" (www.krimi-couch.de). Insgesamt haben die Online-Magazine mittlerweile eine Reichweite von knapp einer Million Visits pro Monat. In der Vergangenheit haben wir häufig mitbekommen, wie sich unsere User auch über das Thema "Musik beim Lesen" ausgetauscht haben. So habe ich bereits 2017 die Idee gehabt, einmal eigens dafür Musik zu produzieren. Für unsere Online-Magazin-Marken ist das natürlich eine hervorragende Möglichkeit, diese weiter als Genre-Spezialisten zu positionieren und auch im Audio-Bereich zu verankern. Mitte 2019 habe ich dann aber erst endlich die Zeit gefunden, das konkret anzugehen und umzusetzen.

Eigentlich bist im Bereich dunkler, elektronischer Musik angesiedelt. Viele kennen Dich vor allem durch Dein oben bereits erwähntes Projekt X Marks The Pedwalk. Mit diesem Unterfangen betrittst Du relativ neues Terrain. Welche Gefühle kamen da in Dir vor?
Generell habe ich ja neben X Marks The Pedwalk immer schon unterschiedliche Nebenprojekte produziert - von härterem Industrial-Sound bis zu melodischerem Dance-Pop. Unter anderem aber auch Projekte, die eher im Bereich Ambient Electronic liegen und gänzlich instrumental gehalten sind - zuletzt mein Projekt SN-A. Aber klar, "Music.For.Books" ist schon durch die Genre-Ausrichtung und das Serien-Konzept etwas anderes. Das hat mich natürlich erstmal sehr gereizt.

Musstest Du Dich für "Music.For.Books" von alten Arbeitsgewohnheiten verabschieden und neue dazulernen?
Nicht wirklich etwas dazulernen, aber natürlich unterscheidet sich Music.For.Books von der Produktion eines Electro-Pop-Albums. Bei Komposition, Mix und Zusammenstellung der Tracks galt es zu berücksichtigen, dass die Musik den Leser vorrangig begleiten und eine passende Klangkulisse erzeugen soll. Dennoch sollte es eine gewisse Dramaturgie geben, die unterschiedliche Szenerien atmosphärisch aufzugreifen versucht.

Für viele sind Soundtracks eher Bestandteil eines Films als eines Buches. Ich könnte mir daher vorstellen, dass Du Dir dennoch auch Inspiration von einigen Filmmusiken geholt hast, oder?
Ich liebe Filmmusik und so ist dieses generelle Faible natürlich eine wichtige Inspirationsquelle.



Die Alben sollen je ein Ressort klanglich abdecken. Die fünf Alben dieser Reihe sind in Science Fiction, Fantasy, Krimi, Horror und History eingeteilt. Welche Parameter oder welche Stilmittel kennzeichnen die jeweiligen Platten aus?
Zunächst einmal sollen alle Alben eine Grundstimmung passend zum jeweiligen Genres bzw. Thema erzeugen. Gleichzeitig müssen sie Vielfältigkeit aufweisen, um verschiedenen dramaturgischen Aspekten gerecht zu werden und dabei abwechslungsreich zu bleiben. Entsprechend habe ich zunächst geeignete Soundsets und Klangbibliotheken zusammengestellt. Vol. 2 ("Sci-Fi & Mystery") ist beispielsweise eher elektronisch gehalten, während bei Vol. 3 ("Fantasy & Magic") schon deutlich mehr orchestrale Instrumente einfließen. In Vol. 5 ("Time & History", erscheint voraussichtlich März 2020, Anm. d. Red.) wird der Fokus noch stärker auf klassischer Instrumentierung gelegt. Vol. 4 ("Nightmares & Dark") ist gekennzeichnet von betont atmosphärischen, düsteren Soundscapes. Natürlich gibt es immer auch mal leichtere Überschneidungen, aber dennoch ist die Abgrenzung hörbar.

Wusstest Du schon bei Erstellen der Stücke beispielsweise: "Das wird jetzt ein Mystery-Song"? Oder beginnst Du ohne klare Vorstellung und beobachtest, wohin der Song dich führt?
Die Alben bin ich tatsächlich der Reihe nach angegangen. Nur bei ein, zwei Tracks habe ich noch einmal im Nachhinein die Zuordnung geändert.

Du hast den Anspruch, eine Musik zu schaffen, die quasi für jedes Buch funktionieren soll. Wie kann Musik so "universal" sein?
Diesen Anspruch habe ich – auch aus den oben genannten Gründen, was die inhaltliche Diversität von Romanen angeht
nicht. "Music.For.Books" muss und kann sicher nicht für jedes Buch passen. Zeit, Schauplatz, Dramaturgie, Inszenierung und Länge eines jeden Buches sind immer anders. Aber: Wer etwas musikalische Untermalung zu seinen Romanen sucht, hat mit Music.For.Books jetzt endlich eine hervorragende Alternative, um überhaupt passend zum übergeordneten Genre einen stimmungsvollen Soundtrack zu wählen - unterwegs in Bus und Bahn oder zuhause auf der Couch.

Wie sind bislang die Reaktionen auf dieses Projekt?
Die ersten Alben von Music.For.Books sind gerade seit ein paar Wochen erhältlich. Erstes Feedback von Hörern zeigt aber, dass es auch gerade für diejenigen interessant ist, die sich bisher nicht vorstellen konnten, beim Lesen noch einen Soundtrack laufen zu lassen. Derzeit vermarkten wir die Alben noch ausschließlich über die Online-Magazine. Im Frühjahr kommenden Jahres werden wir deutlich stärker die Werbetrommel rühren, denn dann soll die Reihe auf bereits fünf Alben angewachsen sein. Weitere sollen noch folgen.

Fast scheint es mir, als sei "Music.For.Books" auch ein kleines Geschenk an Dich, der im vergangenen Jahr nun 50 geworden ist. Wird man mit fortschreitendem Alter auch ein bisschen gelassener und gleichzeitig experimentierfreudiger, ohne dabei zu sehr darüber nachzudenken, was die anderen dazu sagen?
Ich bin nicht wirklich ein gelassener Mensch, dafür habe ich zu viele Ideen im Kopf und mit meinen Unternehmen – neben den oben genannten habe ich ja noch mein Label meshwork music – einfach sehr viel um die Ohren. Insgesamt bleibt mir für viele Sachen, die ich gerne machen möchte einfach zu wenig Zeit. Aber klar, ich mache musikalisch die Dinge, die mich interessieren und denke dabei weniger darüber nach, was andere sagen. Und dennoch bin ich immer sehr neugierig auf die Reaktionen. Denn am Ende mache auch ich Musik nicht nur für mich allein. Mit Fans, die einen auf der eigenen musikalischen Reise begleiten, macht es deutlich mehr Spaß!

|| INTERVIEW: DANIEL DRESSLER | DATUM: 13.01.2020 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 12/19 >

Website
www.literatur-couch.de
www.meshwork-music.com

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FOTO: MILTON DECAMOTAN © X MARKS THE PEDWALK, MESHWORK MUSIC
COVER © MESHWORK MUSIC

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