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MINES FALLS "MINES FALLS": FLUCHT UND GEBORGENHEIT

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Berühmte Brüderpaare gibt es viele - auch und vor allem in der Musik. Denken wir nur mal an die Bee Gees, da waren es sogar gleich mehrere Jungs, die gemeinsame Sache machten. Oder an Oasis, wobei die beiden Gallaghers wohl eher eine Hassliebe verbindet, die sie aber ebenfalls zu musikalischen Höchstleistungen anspornte - wenigstens für eine kurze Zeitspanne.

Carson und Erik Lund sind zwar noch nicht ein so hoher Bekanntheitsgrad wie zuvor genannte Gebrüder beschieden, ihre Talente jedoch haben die beiden Jungs aus Boston bereits mit ihren ersten musikalischen Gehversuchen bei der Band Old Abram Brown unter Beweis gestellt. Es ist vor allem Carsons exaltierter Gesang, die den damals noch handfesten Indie-Folk-Stücken den nötigen Twist verliehen haben, um spannend und frisch zu klingen.

Dass zu dieser Stimme, die sowohl liebkosend als auch dringlich den Hörer erreicht, aber ein viel weiterer musikalischer Kosmos aufgemacht werden muss, ist eigentlich nur konsequent. So haben sie sich als Mines Falls an die Synthesizer gesetzt und ihre zerbrechlich schönen Songgebilde mit klassischem Instrumentarium weiter aufgefüllt. Das Ergebnis ist ein wuchtiges, ein fulminantes Album, das bei "Nightingale" oder "Sirens" and die dunkle Dramatik von IAMX erinnert, um an anderer Stelle, namentlich "Lifeboat", nur mittels Klavier und Gesang (beide mit ordentlich Hall belegt) eine eisige Stimmung zu provozieren,  die deutlich unter dem Gefrierpunkt angesiedelt ist, aber gleichzeitig beschützend wirkt.

Das Hauptaugenmerk bei "Mines Falls" liegt eben nicht zuletzt bei den wunderbar arabesken Melodien, die sie immer wieder neu und anders interpretieren. "Low Moon Rising" beispielsweise verlässt sich auf die Modulation der Arpeggiolinie, die sie über zwei Drittel des Songs durchziehen, ehe ein hektischer Beat und übereinandergeworfene Sounds das große Finale ankündigen. Dagegen genügen "Red Moon Car Wreck" und "Hey Mother" sich selbst und ihrer Downbeat-Pop-Ausrichtung, wobei sie nicht mit spannenden Zwischentönen und Zusatzsounds geizen.

Auch "Mines Falls" ist unter den Eindrücken der ersten großen Corona-Welle mit all seinen Quarantäne-Maßnahmen entstanden. Die Arbeiten an den Songs fanden in einer Zeit statt, als das neue Virus das Leben in seiner bisherigen Form auf links gedreht hat. Sicherlich ist das mit ein Grund für die entrückte Stimmung des Albums, das in absolutistischer Weise esakpistisch sein will - und es tatsächlich auch ist.

Eingedampft wird dieses Gefühl auf eine Zeile in "Nightingale": "Fairytale, comfort me, when all this shit comes suddenly" - Mines Falls träumen sich weg, träumen sich in ihre Kindheit zurück. Und wir haben das große Glück, mit den Brüdern mitzuträumen. Mines Falls macht uns den Herbst zwar nicht farbenfroher, aber man fühlt sich bei ihnen geborgen.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 09.09.20 | KONTAKT | WEITER: MICHAEL ROTHER "SOLO II" UND "DREAMING">

Webseite:
minesfalls.bandcamp.com

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