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CELLDWELLER "OFFWORLD": BLICK VON OBEN

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"Unplug, shutdown. New sight, new sound." Celldweller verabschiedet sich für die Länge eines Albums von der von ihm geschaffenen Welt und lässt seinen Titelsong, einer Präambel gleich, mit nebelumwölkten Synthesizern und angezerrt-verwaschenen Gitarren vorneweggehen. Im Laufe seiner fast 20-jährigen Arbeit gelang es dem Musiker, einen ganz eigenen Kosmos zu kreieren, den er nun einach mal von einer anderen Warte aus betrachten will. Klayton ist dann mal weg.

Neue Ansichten, neue Sounds: Der Mann setzt dieses Versprechen prompt in die Tat um. Eigentlich bekannt für ein energetisches Kreuzüber aus Rock und Elektronik mit klar definiertem Science-Fiction-Einschlag, setzt er dieses Mal auf unerwartet leise Töne und akustische Parts. Als "personifizierter Sound für die Playlist-Generation", wie es treffend im Pressetext heißt, schafften es die Celldweller-Alben in die Sitzenpositionen der iTunes Charts (Genre: "Electronic Album"). Ferner finden sich weitere seiner tonalen Utopien bei verschiedensten Computerspielen wieder. Kurz gesagt: Klayton liebt die moderne Technik und ist als quasi-virtueller Rockstar ein ganzes Stück weiter als seine "klassisch" geschulten Kollegen. Und nun das: "Unplug, shutdown". Stecker also rausziehen und mal abschalten?

So ganz radikal will der Musiker aus Detroit aber dann doch nicht seiner treuen Fanschar entgegentreten. Es sind genügend Fixpunkte auf "Offworld" auszumachen, die das Album als einen typischen Celldweller markieren, in erster Linie bedingt durch den Rückgriff auf sein eigenes Material. Nun ist Selbstreferenzialität ein zweischneidiges Schwert. Als Musiker sich auf seine eigene Kunst zu berufen, hat entweder etwas gnadenlos selbstüberschätzendes oder zeugt von mangelnder Inspiration. Nur in ganz seltenen Fällen gelingt so ein Unterfangen. So wie hier.

Andererseits muss gesagt werden, dass Klayton als Musiker ein derart breites Spektrum besitzt, dass der Reichtum an Selbstzitaten nie langweilig wird. "Awakening With You" ist so eine Nummer. Ursprünglich ein Teil der Sci-Fi-Opera "Scandroid" und im hübsch aufgemotzten Retro-Wave-Sound dargeboten, wird diese Nummer auf "Offworld" zu einer höchst introvertierten Gefühlsskizze umgedeutet. Ähnlich bringt "Into The Fall" einige Harmonien zusammen, die bereits zuvor in anderen Stücken seines weiteren Seitenprojekts Circle Of Dust zu hören war. Diese Verknüpfungen entstehen bewusst und durchdacht, weil der Mann mit den knallroten Haaren seine Gruppen nie vonenander abgekuppelt sieht, sondern als Teil eines großen Klayton-Universums begreift, in dem der Hörer nach Lust und Laune seinen Phantasien und Gefühlen freien Lauf lassen kann.

Dieses Mal aber blickt der Musiker wie aus der Vogelperspektive und mit einer inneren Gelassenheit auf das, was er geschaffen hat. Am Ende steht ein überzeugtes "We will never die". Ein bisschen Unsterblichkeit ist ihm fürwahr gelungen mit seiner Musik, die sich im Laufe seiner Karriere immer weiter spezialisiert und auch das große Ganze im Blick hat. Man denke nur an das Album "Blackstar", das Klayton anno 2010 als Soundtrack für den gleichnamigen Roman des Autors Josh Viola schrieb.

Seine Höhepunkte besitzt das Werk bereits zu Anfang mit den wunderbaren "How Little Must I Know" und "The Great Divide". Sie führen das weiter, was vor rund 15 Jahren Limp Bizkit mit der The-Who-Coverversion "Behind Blue Eyes" angefangen haben. Diese Spannung aus kraftvollem Gesang, der am liebsten mitsamt der Instrumentierung ausbrechen will, aber durch eine bewusst unterschwellig aggressive Komposition an der kurzen Leine gehalten wird, gelingt Celldweller besonders gut. Nur im shoegaze-lastigen "Echoes" wallen die Gefühle stärker auf. Mehr allerdings lässt der Amerikaner aber dieses Mal nicht zu.

Mit "Offworld" schafft Celldweller also so etwas wie eine autarke Best-of-Scheibe, die sowohl auf Vergangenes zurückgreift, um es in der Gegenwart zu verankern, als auch aktuelle Ideen realisiert, die eventuelle Neuausrichtungen des Projekts andeuten. Er ist zwar "Offworld" gegangen, aber nur um eine neue Welt zu erschaffen. Und darin ist Klayton, egal unter welchem Namen, ein kleines Genie.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 06.07.17 | KONTAKT | WEITER: TOP 5 SOMMERSONGS FÜR FORTGESCHRITTENE>

Webseite:
www.klayton.info


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