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THE CALM GREY "IN BETWEEN SADNESS": GEBOREN AUS SCHMERZEN

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Mit fortschreitendem Alter rücken die Einschläge näher. Zunächst wirkt der Tod noch weit weg, doch mit jedem weiteren Jahr, das man auf der Erde verbringen darf, sehen wir Menschen verscheiden. Sind es anfangs noch jene, mit denen man höchstens mittelbar etwas zu tun hat, taucht auf einmal der eine oder andere aus dem nächsten Bekanntenkreis in den Nachrufen auf. Unfälle, schwere Krankheiten und weitere Schicksalsschläge gemahnen uns, dass unser Dasein eben doch endlich ist.

Der schwierigste Moment bildet dabei der Verlust der eigenen Eltern. Auch wenn man nicht mehr auf sie angewiesen ist, bilden sie fortwährend den emotionalen "Heimathafen", der selbst dann noch besteht, wenn man selbst eine eigene Familie gegründet hat. Oder anders gesagt: Solange die Eltern auf der Erde leben, wird man immer deren Sohn oder Tochter bleiben.

Doch weilen Vater und Mutter nicht mehr unter uns, erschüttert es uns in unseren Grundfesten, selbst wenn der Tod bereits zu erahnen war. Im Falle von Mirco Rappsilber, der ihr Ableben innerhalb eines Jahres psychisch zu verkraften hatte, hätte dies zu einer kompletten Schreibblockade führen können. Tatsächlich ist daraus das zweite Werk "In Between Sadness" von The Calm Grey geworden, ein immersives Album, das die Kluft zwischen Künstler und Publikum überwindet und die Hörerschaft quasi zum Protagonisten avancieren lässt.

Der Clou an "In Between Sadness" ist seine scheinbare Teilnahmslosigkeit. Mirco Rappsilber verbietet sich jegliche Larmoyanz beim Aufarbeiten seines vielleicht schwierigsten Jahres; in Rio Black hat er für die gesangliche Umsetzung seiner Gedanken den richtigen Partner. "Leaving The Flat" gerät durch seine cureesken Klangteppiche und einer gleichsam distanziert und doch emotionalen Sangesleistung zu einem besonderen Opener. The Calm Grey beschreiben den letzten Besuch der leerstehenden Wohnung der Eltern. Die eingespielten Geräusche von jemandem, der durch das Treppenhaus läuft, fangen bereits die triste Stimmung ein, noch bevor die erste Note ertönt.

Wie aber gesagt, wird das Schicksal nicht beweint, sondern angenommen. Dieses Album ist eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Verlust, ohne falschen Pathos oder theatraler Pose. Das macht Songs wie "These Grey Alleys" und das fordernde "Tropfen" zu Unikaten, die dem überschwemmten Post-Punk-Markt ein Glanzlicht entgegensetzt. In "No Room" setzt man den Fokus auf Tasteninstrumente und gerät in eine wunderbare Zwischenwelt, deren Pole Pop und Post-Punk sind.

An "In Between Sadness" führt kein Weg vorbei, wenn man sich für authentischen Trübsinnsrock begeistern kann. Die packende, gleichzeitig aber unaufgeregte Stimmung auf dem Album, das mit dem fast schon gespenstischen Instrumental "Sadness" und dem auf Tanzbarkeit geeichten Remix von Per Anders Kurenbach zu "These Grey Alleys" abschließt, steckt alle anderen bisherigen Veröffentlichungen durch seine Ehrlichkeit und tief empfundene Emotion in die Tasche. Ein Glücksfall, auch wenn der Grund für das Werk kein schöner war und der Longplayer aus Schmerzen geboren wurde.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 02.06.26 | KONTAKT | WEITER: FLESH FIELD VS. NEO DIMES>

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