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YELLO VS. YELLO

Kling & Klang > REVIEWS TONTRÄGER > BORIS BLANK/DIETER MEIER

Als Chartbreaker sind die beiden Schweizer Boris Blank und Dieter Meier von Yello eher weniger bekannt. Dennoch prägten ihre Sounds und Performances eine ganze Generation: Gerade erhielten sie den ECHO 2014 in der Kategorie Lebenswerk.

Nachdem Blank bereits im vergangenen Jahr zusammen mit Jazz-Sängerin Malia das Album "Convergence" veröffentlichte, zieht Dieter Meier jetzt mit “Out Of Chaos” nach – und wir ziehen einen Vergleich.

In einem Punkt hat Boris Blank bereits gewonnen. Sein Album mit futuristisch-coolem Cover steht in den Verkaufscharts eines namhaften Onlinehandels im Bereich Jazz/Dance ganz oben. Kein Wunder: “Convergence” ist ein melancholisch-mitternächtliches Oeuvre, das so klingt wie sonst nur edle Cocktails schmecken. Kein Ton wird verschwendet oder zu wenig gesetzt. Samtweiche Klänge durchziehen den Raum und tragen Malias Stimme wie eine Sänfte. Das erinnert natürlich ganz stark an “Rhythm Divine” und ähnlich schummrige Yello-Songs.

Wie anders mutet da “Out Of Chaos” an? Dieter Meier, ohnehin der Mann für die Kunst und Darstellung bei Yello, ist ein ebenfalls düsteres Werk gelungen. Hier klingt es aber weniger nach gediegener Cocktail-Lounge in der Afterhour, als nach etwas heruntergekommener, verrauchter Kneipe und Karaoke-Bar. Meier ist eben Performance-Künstler, der seiner Zunft mit pastosen Pinselstrichen bereits auf dem collagenartig gehaltenen Platten-Titel Tribut zollt. Mit frisch getrockneter Farbe - ein Direkt-Import aus dem Atelier. Das ganze Album wirkt wie ein kleines Kuriositäten-Kabinett: Zwischen gewollt billigen Keyboard-Rhythmen (“Night Porter”) und pathetischer Piano-Ballade (“Loveblind”) kann der Mann sein ganzes theatralisches Talent ausspielen. In seinen besten Momenten erinnert er an Tom Waits, Leonard Cohen oder Mark Lanegan.

Diese Stärke ist es, die “Out Of Chaos” gegenüber “Convergance” zum Sieger macht. Boris Blank ist zwar der Jüngere von beiden, aber in seiner musikalischen Vorstellung durch und durch konservativ. Das mag an manchen Stellen sehr erfrischend sein, beispielsweise in seiner Interpretation des Standards “Fever”. Über die Länge des Albums bleiben aber Überraschungen folgerichtig aus. Die Grandezza und Spielfreude, die der fast 70-jährige Dieter Meier dagegen ausstrahlt, lässt manch juvenilen Musiker vor Neid erblassen. Jeder Song erzählt eine neue Geschichte, schlägt Haken und überrascht.

Dieter Meier ist der klare Sieger in diesem bandinternen Duell, das sich eventuell auch positiv auf Yello auswirken könnte. Man erinnere sich nur, wie wiedererstarkt Depeche Mode auftraten, nachdem Sänger Dave Gahan und Komponist Martin L. Gore zuvor auf Solopfaden gewandelt waren.

|| AUTOR: DANIEL DRESSLER // DATUM: 02.04.2014||             


BILDQUELLE: "COVERGENCE" © BOUTIQUE; "OUT OF CHAOS" © STAATSAKT/ROUGH TRADE.

Hinweis: UNTER.TON setzt auf eine klare Schwarz-Weiß-Ästhetik. Deshalb wurden die farbigen Original-Cover unserem Layout für diesen Artikel angepasst.

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