LOGIC & OLIVIA "LOUDER THAN WORDS": NACH- UND NEBENWIRKUNGEN EINES MEISTERWERKS - UNTER.TON | MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

LOGIC & OLIVIA "LOUDER THAN WORDS": NACH- UND NEBENWIRKUNGEN EINES MEISTERWERKS

Kling & Klang > REVIEWS TONTRÄGER > LOGIC & OLIVIA

Stolz prangt die antike Schreibmaschine auf dem Cover des neuen Albums "Louder Than Words" von Logic & Olivia. Mit zwei Händen, die auf die Tastatur gelegt sind, fängt das Bild den Moment ein, den jeder Schriftsteller - und auch Musiker - zu erdulden hat. Das "unbeschriebene Blatt" wartet nur darauf, mit Buchstaben, Wörtern, Sätzen, ganzen Geschichten ausgefüllt zu werden. Nun gilt es: Eine Inspiration, ein flüchtiger Gedanke, ein göttlicher Funke soll das leere Papier mit Leben zu füllen.

Ob Sänger und Texter René Anke die gleichen künstlerischen Hürden zu überwinden hatte und deswegen diesen markanten Titel gewählt hat (so ein weißes Blatt kann, metaphorisch gedacht, sicherlich lauter als so manches Wort sein), oder ob die Zeilen nur so aus ihm herausgeflossen sind, mag am Ende einerlei sein. Denn das vierte Album des ostdeutschen Trios hat es abermals geschafft, sich in jeglicher Hinsicht von der konfektionierten Elektro-Pop-Stangenware wohltuend abzusetzen. Und sie überraschen ihre treuen Anhänger gleich zu Beginn mit einem deutschsprachigen Lied: "Frei und gemeinsam". Das haben Logic & Olivia zuletzt vor 13 Jahren gewagt, da hießen sie noch Darkcore.

Die Gefahr, sich mit Songs in der Muttersprache schnell in schlagerhafte Fahrwasser zu begeben, ist durchaus groß. Doch das Eröffnungsstück ist die wohlbedachte Entscheidung der Band, ihrem Album eine hymnische Konnotation zu verpassen. Dieses Stück beinhaltet nämlich alle Attribute, die "Louder Than Words" auszeichnen: Es geht um Freiheit, um Zweifel, Ängste und Neuanfänge. Und wie man bei "Frei und gemeinsam" hören kann, belässt es das Dreiergespann bei symbolisierten Gedankengängen, die mehr eine Stimmung zu evozieren versucht, als konkrete Geschichten zu erzählen.

Dabei stehen die wuchtigen Melodien als gleichwertiger Gegenspieler zu den Texten, sodass beispielsweise "Don't Walk Away" mit erdigem Schlagzeugpassagen, filigranen Pianolinien und flirrender Elektronik das perfekte Pendant zu den fulminanten Strophen über eine metaphorisch überbordende Abschiedsszene bildet. In "Soldier" scheint die Musik gar zum narrativen Element zu fungieren, wenn sie zunächst noch zurückhaltend agiert, um im Mittelteil in einem erruptiven Akt die Bassdrum in einen Vierivertelrhythmus hervorschnellen zu lassen und so dem Song eine völlig unerwartete Wendung zu geben.

Mit Sicherheit durften sich Logic & Olivia in der Vergangenheit schon einiges anhören müssen. Dass ihre Musik viel zu sperrig sei und für die Tanzflächen ungeeignet. Das mag tatsächlich stimmen, zeigt aber auf der anderen Seite, mit welch eng anliegenden stilistischen Scheuklappen - auch und gerade von Seiten der Musikbranche - gnadenlos ausgesiebt wird, was nicht dem gängigen Raster entspricht. Um so schöner, dass sich das Dreiergespann in dieser Hinischt nicht verbiegen lässt und uns solche Stücke wie "Run" oder das wunderbar schwingende, wiewohl sehr transparente "I Like" (mit einer knackigen Rhythmussektion, der man sich einfach nicht entziehen kann) erdacht hat.

Die Band selbst spricht von einem Kräfte zehrenden Album; harte Arbeit stecke nach ihren Angaben in "Louder Than Words", jeder Song sei ein Hürdenlauf gewesen. Das ist den Liedern deutlich anzumerken. Denn keines der Nummern wirkt wie aus Verlegenheit und aus Mangel an Alternativen, um ein Album voll zu bekommen, dazugepackt. Logic & Olivia sind reifer geworden, ihre Musik erwachsener und vor allem für Erwachsene konzipiert, deren Lebensinhalt es eben nicht mehr ist, sich in den Diskotheken von überproduzierten, letzten Endes aber seichten Beats wegblasen zu lassen. Hier darf die feine Stimme der Intelligenz mit der künstlerischen Gedankenfreiheit eine Liaison eingehen, ohne reglementiert oder limitiert zu werden.

So besitzt das Werk jede Menge Neben- und Nachwirkungen, die Kopf, Herz und Bauch gleichermaßen ansprechen werden. Man denkt, fühlt und spürt den Songs nach. Ein wahrhaft glückseliger und zugleich tiefgründiger Zustand, hervorgerufen von einem Album, das bereits jetzt schon zu den schönsten des Jahres gezählt werden darf.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 29.06.18 | KONTAKT | WEITER: KURZ ANGESPIELT 6/18>

Webseite:
www.logicandolivia.de

Kurze Info in eigener Sache
Alle Texte werden Dir kostenfrei in einer leserfreundlichen Umgebung ohne blinkende Banner, alles blockierende Werbe-Popups oder gar unseriöse Speicherung Deiner persönlichen Daten zur Verfügung gestellt.
Wenn Dir unsere Arbeit gefällt und Du etwas für dieses kurzweilige Lesevergnügen zurückgeben möchtest, kannst Du Folgendes tun:Druck' diesen Artikel aus, reich' ihn weiter - oder verbreite den Link zum Text ganz modern über das weltweite Netz. Alleine können wir wenig verändern; gemeinsam jedoch sehr viel.Wir bedanken uns für jede Unterstützung!
Unabhängige Medien sind nicht nur denkbar, sondern auch möglich.
Deine UNTER-TON Redaktion


POP-SHOPPING



"LOUDER THAN WORDS" BEI AMAZON



Du möchtest diese CD (oder einen anderen Artikel Deiner Wahl) online bestellen? Über den oben stehenden Link kommst Du auf die Amazon.de-Seite - und wir erhalten über das Partner-Programm eine kleine Provision, mit der wir einen Bruchteil der laufenden Kosten für UNTER.TON decken können. Es kostet Dich keinen Cent extra - und ändert nichts an der Tatsache, dass wir ein unabhängiges Magazin sind, das für seine Inhalte und Meinungen keine finanziellen Zuwendungen von Dritten Personen bekommt. Mit Deiner aktiven Unterstützung leistest Du einen winzig kleinen, aber dennoch feinen Beitrag zum Erhalt dieser Seite - ganz einfach und nebenbei - für den wir natürlich außerordentlich dankbar sind.


COVER © INFACTED RECORDINGS/SOULFOOD

ANDERE ARTIKEL AUF UNTER.TON
IM GESPRÄCH: RENE ANKE (LOGIC & OLIVIA)
LOGIC & OLIVIA "PINK"
IM GESPRÄCH: OLIVER MIETZNER (DECENCE)DECENCE "ALIVE"
IM GESPRÄCH: NOYCE™ ZU "LOVE ENDS"
NOYCE™ "LOVE ENDS"


Rechtlicher Hinweis: UNTER.TON setzt auf eine klare Schwarz-Weiß-Ästhetik. Deshalb wurden farbige Original-Bilder unserem Layout für diesen Artikel angepasst. Sämtliche Bildausschnitte, Rahmen und Montagen stammen aus eigener Hand und folgen dem grafischem Gesamtkonzept unseres Magazins.



                                                       © ||  UNTER.TON |  MAGAZIN FÜR KLANG- UND SUBKULTUR | IM NETZ SEIT 02/04/2014. ||

SUCHEN? FINDEN!
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü