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BERT OLKE: "DIE ESOTERISCHE SZENE FINDET UNS VIEL ZU WISSENSCHAFTLICH, DIE WISSENSCHAFTLICHE VIEL ZU ESOTERISCH"

Im Gespräch

Hallo Bert. Vor zehn Jahren hast Du das Label Klangwirkstoff Records ins Leben gerufen, das vor allem Künstler beheimatet, die sich der Oktavierung verschrieben haben. Wie bist Du auf diese Form der Musik gekommen?
Bert Olke: Ein Freund schenkte mir Anfang der 90er Jahre das Orpheus-Handbuch "Die Wirkung der Rhythmen unserer Erde auf Körper Geist und Seele" von Hans Cousto und Matthias Pauschel. Ich war davon sehr fasziniert. Jahre später lernte ich dann Hans persönlich kennen und wir wurden sehr gute Freunde. Aber erst Ende des letzten Jahrtausends begann ich, die kosmische Oktave selbst umzusetzen und gründete zusammen mit Tom Wölke das Projekt Toshra, um kosmisch gestimmte Musik zu produzieren. Da wir dafür keine geeignete Plattform fanden, die unsere Songs veröffentlichen wollte, geschweige denn unser Thema überhaupt verstand, gründeten wir das Label Klangwirkstoff Records. Wir wollten so die Musiker vereinen, die auf gleiche Weise Musik komponieren.

Was bedeutet Oktavierung?
Die Oktavierung bezieht sich auf die
die Möglichkeit, Planetenrotationen und Molekülschwingungen oktavanalogen Tönen und Rhythmen zuzuordnen. Ausgehend von dem Naturgesetz der Oktavgleichheit ist es mit Hilfe dieser Rechnung möglich, zu jedem regelmäßig wiederkehrenden Ereignis (Schwingung) einen oktavanalogen Ton zu errechnen.

Nutzt Du diese Musik für Dich selber auch im alltäglichen Leben – vielleicht als Konzentrations- oder Entspannungshilfe?
Ja, besonders auf den Erdenton (tropisches Jahr, 136,1 Hz, 127,6 BPM, auch "Om" genannt) kann ich mich extrem gut einschwingen und nutze ihn sehr häufig, um mich etwas zu entstressen oder einfach nur zum entspannen. Mit sogenannten binauralen Beats, die man auch kosmisch stimmen kann, sind zum Beispiel Konzentrationsteigerungen möglich. Außerdem helfen sie, das Lernvermögen zu optimieren oder auch gegen Schlafstörungen anzugehen oder andere Bewusstseinszustände anzuregen.

"Klangwirkstoff" klingt als Name tatsächlich wie Medizin. Verstehst Du diese Musik als solche?
Musik, bzw. Töne als Medizin ist eines unserer Ziele, und wir befinden uns auf dem Weg dorthin. Genau aus diesem Grund haben wir uns für diesen Namen entschieden. Ich empfehle zu diesem Thema das aktuelle Buch von Hans Cousto: "Heilsame Frequenzen"

Treten auch Mediziner oder Wissenschaftler an Euch heran, um mehr über das Phänomen und die Musiker zu erfahren?
Ja. Einige Wissenschaftler und besonders Therapeuten sind sehr daran interessiert und nutzen unsere Musik. Ich selber habe mich auf kosmisch gestimmte Hemisphären Synchronisationen, auch binaurale beats genannt, spezialisiert und ein paar Sessions für einen Brainmaschinen Hersteller produziert. Hier wird mit Frequenzen gearbeitet, die unser Gehör normalerweise nicht mehr wahrnehmen kann (unter 20 Hertz), uns aber in verschiedenste Bewusstseinszustände einschwingt. Diese Frequenzen werden bei bestimmten Methoden eingesetzt mit dem Ziel, die Gehirnwellen zu stimulieren, um Entspannung, Schlaf, Meditation oder Konzentration zu fördern. Binaurale Beats (binaural: lat. mit beiden Ohren) sind eine akustische Täuschung, die wahrgenommen wird, wenn beiden Ohren Schall mit leicht unterschiedlicher Frequenz zugeführt wird. Der Unterschied zwischen den Frequenzen für das linke und rechte Ohr darf nicht größer als 30 Hz sein, da ansonsten zwei verschiedene Töne gehört werden. Ein Beispiel: Hört man auf dem linken Ohr eine Frequenz von 440 Hz und auf dem rechten Ohr eine von 430 Hz, so wird im Gehirn ein Ton mit der mittleren Frequenz von 435 Hz erzeugt. Ähnlich wie bei einer Schwebung wird dabei ein pulsierender Ton wahrgenommen, der binaurale Beat, dessen Frequenz gerade der Differenz der beiden Frequenzen entspricht, also 10 Hz.

Eigentlich ist das Label, zusammen mit dem Ableger Separated Beats, ein Wanderer zwischen den Welten, denn Eure elektronische Musik hat einen esoterischen Anstrich, kann aber gleichzeitig in die Nähe des Downbeat- oder Ambient-Genre gerückt werden. Wie schwer ist so ein Nischenleben?
Unsere Musik ist eher wissenschaftlich als esoterisch angesiedelt. Aber es ist wahr: Wir führen ein Nischenleben. Von daher werden wir öffentlich nicht so sehr wahrgenommen. Die esoterische Szene findet uns viel zu elektronisch und zu wissenschaftlich und die Wissenschaftliche zu esoterisch. Zum Glück geht es uns dabei ja nicht um kommerzielle Erfolge, wir arbeiten rein ehrenamtlich und für die Sache. Auf unserem Sublabel Separated Beats haben wir das Problem nicht, da wir dort einfach nur gute Musik veröffentlichen

Allerdings schlägt Euch auch viel negative Kritik von Naturwissenschaftlern entgegen. Sie sehen die Oktavierung von Planetenumläufen als willkürlich und pseudowissenschaftlich an und heißen überdies Hans Coustos liberale Einstellung zum Drogenkonsum nicht gut. Was entgegnest Du diesen Menschen?
Ausgehend von dem Naturgesetz der Oktavgleichheit (Töne im Abstand einer Oktave besitzen eine identische Teiltonreihe, sind also Oktavanalog gleichschwebend) ist es mit Hilfe der Oktavierung möglich, zu jedem regelmäßig wiederkehrenden Ereignis (Schwingung) einen oktavanalogen Ton zu errechnen. Dies kann eigentlich von Naturwissenschaftlern nicht angezweifelt werden, da es sich dabei um reine Mathematik handelt, also nicht willkürlich ist. Dazu kommt noch, dass wir uns nicht nur auf Hans Cousto berufen, sondern auch auf Berechnungen von Prof. H.C. Joachim-Ernst Berendt, Phytagoras, Hans Kayser, Johannes Kepler, R. Haase, A.F. von Thimus, Norbert Böhm und vielen anderen.
Was dies allerdings mit dem
drogenpolitischen Einsatz Hans Coustos zu tun hat, verstehe ich nicht. Dabei geht es ja um völlig andere Dinge, und das sollte man nicht vermischen. Das klingt für mich eher pseudowissenschaftlich, nach mittelalterlicher Verteufelung und Inkompetenz. Politik und Wissenschaft sollte man trennen. Letztendlich möchte ich als Musiker auch nur versuchen, die Berechnungen umzusetzen und maße mir gar nicht an, darüber zu urteilen. Ich verlasse mich dabei auf die Berechnungen von den grossen Mathematikern und denke mir dazu nur: was wirkt, das wirkt! Deswegen experimentiere ich gerne damit herum. Mir ist es ehrlich gesagt auch ganz egal, was andere davon halten. Es wird ja niemand gezwungen sich unsere Veröffentlichungen anzuhören.

Wie hat sich die Außenwahrnehmung innerhalb der zehn Jahre geändert? Gab es vielleicht Menschen die euch anfangs müde belächelt und nun großen Respekt vor Eurer Arbeit haben?
Ja, vor allem hatte niemand erwartet, dass wir jemals unseren zehnten Geburtstag feiern würden. Wir haben uns auch allgemein durch das Label einen einigermaßen guten Namen erarbeitet.

Welche Ereignisse aus dieser Zeit sind Dir am lebhaftesten in Erinnerung geblieben?
Wir haben vor über  zehn Jahren in einem Wald in Norddeutschland mit unserem Projekt Brain Entertainment Laboratory (bestehend aus dem Akasha Project, Motom, Eru und B. Ashra) eine Surround Anlage aufgebaut und dort zwei Wochen lang rein kosmisch gestimmte Musik produziert, und wir schöpfen immer noch aus diesen Aufnahmen, die wir dort gemacht haben. An diesem Ort entstand auch die Idee, das Label zu gründen. Der Name dafür kam übrigens vom Akasha Project. Und dann sind da noch unsere legendären Label Parties, die wir im Ritter Butzke oder Club Der Visionäre in Berlin veranstalteten.

Zum zehnjährigen wird es am 27. August auch eine kleine Feier geben. Erzähl ein bisschen darüber, wie das ganze ablaufen wird?
Wir werden auf unserem Studiogelände feiern. Dort haben wir die Möglichkeit, einen Open-Air- und einen Indoor-Floor gestalten zu können. Das Ganze wird schon nachmittags mit elektronischer Ambient Musik und einigen Vorträgen beginnen, zum späteren Abend wird es auf einem Floor dann auch elektronische Tanzmusik geben. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir so viele Musiker zusammen bekommen haben und dass Hans Cousto einen Vortrag über heilsame Frequenzen halten wird. Ausführliche Infos gibt es auf unserer Webseite unter "aktuell".

Die Klangwirkstoff-Alben befassen sich mit den Schwingungen der Planeten und Atome. Ein Feld, was doch sehr begrenzt ist. Oder wollt ihr das ganze Periodensystem musikalisch durchdeklinieren?
Oh, da machen sich noch unendliche Weiten auf! Denn wir haben erst einen kleinen Anfang mit dem Thema gemacht. Besonders im Bereich Molekülvertonungen gibt es noch sehr viele Möglichkeiten. Und jeder Musiker interpretiert die einzelnen Stimmungen ja auch völlig individuell, von daher wird es wohl niemals langweilig werden. Du kannst also sehr gespannt darauf sein, was noch alles kommen wird.

Welche Projekte sind für die nähere Zukunft ins Auge gefasst?
Ich selber arbeite gerade an meiner aktuellen CD "Venus Meditation", die im September veröffentlicht wird. Bis Ende des Jahres ist dann noch eine DMT-Vertonung als Beilage für ein Buch von Markus Berger geplant. Ansonsten bin ich selber sehr gespannt, wie sich die Zukunft gestalten wird.


|| INTERVIEW: DANIEL DRESSLER| DATUM: 15.08.16 | KONTAKT| WEITER: DECENCE "ALIVE!" >

Website
www.klangwirkstoff.de

FOTO OBEN LINKS © BERT OLKE, FOTO MITTE RECHTS © BENDEG

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