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Die Tage werden länger, die Lüfte lauer, und die Plattenveröffentlichungen üppiger. Wenn sich zu der Quantität auch noch Qualität gesellt, wird es schwer, allen die gleiche ausführliche Aufmerksamkeit schenken. Die fünf Kurzbesprechungen müssen daher in wenigen Worten besprochen werden, sollten aber deswegen nicht weniger Liebe für ihren interessanten Sound erhalten.
Offensichtlich werfen die 1980er immer noch ihre langen Schatten auf heutige Musikproduktionen. Doch der Grad zwischen reiner Interpolation und dezentem Zitat bei eigenständiger Komposition ist ein schmaler. Auf eben diesem lädt das Berliner Duo (respektive Trio) zum Tänzchen ein. Mit "Chapter 3" ist ihnen ein überwältigendes, energiegeladenes Werk gelungen, bei dem der Geist der ehemaligen Mauerstadt mit dröhnenden Riffs und treibendem Schlagzeug durch die Kompositionen diffundiert.
Als das letzte Album "Looking Skyward" erschien, gab es noch keine Corona-Pandemie und die gesellschaftlichen Folgen, die sich daraus ergeben haben, und auch der Brexit geisterte nur als Chimäre in einigen wirren Köpfen herum. Zehn Jahre später ist die Welt aber eine andere und all die Ereignisse dürften Mark Hockings und Richard Silverthorne alias Mesh maßgeblich beeinflusst haben, als sie "The Truth Doesn't Matter" einspielten. Obgleich das Duo weiterhin mit persönlich gefärbten Synthie-Pop-Nummern operiert, schlägt sich der Zeitgeist in den Stücken nieder.
Jüngst haben wir mit der Besprechung von Nils Keppels aktuellem Werk "Super Sonic Youth" einen Blick auf die prosperierende Neue Neue Deutsche Welle geworfen. Zu dieser zählt sicher und zweifelsfrei auch Mamoré aus Thüringen, die mit ihrem Ende 2023 erschienenen selbstbetitelten Debut ein dickes, fettes Ausrufezeichen gesetzt haben. Mit ihrer aktuellen Single "Wasserstoff & Staub" und der Ankündigung eines zweiten Albums, belegen Mamoré, dass sie keine Eintagsfliege ist. Daher wollte UNTER.TON ein bisschen mehr über die Band erfahren und sprach mit Sänger Eric Schulz.
Im Abarbeiten der großen Weltfragen sowie der eigenen Schicksalswendungen sind den beiden Musikerinnen Mary Middlefield und Victoria Skoglund alias Viic Woods zwei substantielle Alben gelungen, in denen sich Eingängigkeit mit bewusster Anti-Pop-Attitüde paaren. "Will You Take Me As I Am?" und "Unravel Time" deuten darüber hinaus darauf hin, wie unabhängiger Indie-Rock und kunstvoll geklöppelter, progressiver Folk anno 2026 klingen kann.
Unverhofft kommt nicht oft, aber wenn es denn mal passiert, ist die Überwältigung riesengroß. So wie bei dem deutschen Projekt Jahrund, das dank Gevatter Zufall die UNTER.TON-Redaktion erreichte. Das aktuelle zweite Album "Inverted Paradise" öffnet kompromisslose, üppige Elektroklangräume, in denen sich Emotionen in Gänze ausbreiten können und die Schönheit der Einsamkeit in sanft wogenden Sequenzen ungeahnte Wege findet. Kurz gesagt: ein Meilenstein.
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