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AUGE DES STURMS

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| DANN KOMMT DIE FLUT | DATUM: 06/12/13 | ORT: SEELEN-LANDSCHAFT |

IMPRESSIONEN.


Mit leisen Schwingen gleitet die Möwe über den eisblau bewegten Spiegel und bewundert staunend, wie das helle Grau ihrer Federn mit der rauschenden Oberfläche verschmilzt. Für einen Moment schämt sie sich ihrer Eitelkeit, blickt sinnend in die Ferne, wo der Meerschaum flüsternd ein paar Felsbrocken umspielt. Dann senkt sie ihr Haupt, schaut stumm in die Tiefe und verliert sich im Farbenspiel der See. Sie spürt nicht, wie salzige Gischt an ihrem duftigen Kleid zupft, um sie mahnend zurückzuhalten; hört nicht, wie ein Rabe furchtsam krächzend ihren Namen ruft. Entrückt schwebt sie weiter, während die stumm schreiende Sonne ihr kummervolles Gesicht in Wolkendunst verhüllt. Dann ist es zu spät: Mit hämischem Donner senkt sich der Himmel auf die See, türmt wispernde Wogen zu einer stählernen Wand und spült mit unheilvollem Blitzen zischelnde Fluten auf. Ein peitschender Windstoß reißt die Möwe aus ihrem Traum, bricht ihre Flügel und drückt ihren kraftlosen Körper in das ächzende Nass. Für einen seltsamen Moment fühlt sie sich eins mit dem Meer; spürt, wie staunende Ruhe das Zittern besänftigt. Dann sinkt sie, kampflos seufzend, in ihr feuchtes Grab.

TEXT/FOTOS: © ANTJE BISSINGER.

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