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THE REZILLOS "ZERO": GLAM-PUNK RELOADED

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Ein Stück weit ist das Internet wohl doch ein Segen.

Denn in den besten Fällen geriert es sich als Kuriositätenkabinett erster Güte - und Kaleidoskop belustigender Fernsehunterhaltung von Anno Dazumal.

Gibt man bei einem großen Online-Video-Portal beispielsweise den Namen The Rezillos
ein, finden sich gleich auf Anhieb einige höchst amüsante Auftritte der gleichnamigen Band bei der renommierten UK-Hitparade "Top Of The Pops".

Ganz dem damaligen Punk- und New-Wave-Zeitgeist entsprechend, gab das ursprünglich
achtköpfige Gespann herrlich schräg choreografierte Auftritte zum Besten, die an unerschütterlicher Infantilität und grobem Unfug kaum zu überbieten sind.

Dass der große Durchbruch dennoch
ausblieb, lag nicht allein an der Tatsache, dass die Rezillos bereits 1978, also gerade mal zwei Jahre nach ihrer Gründung, zu den Akten gelegt wurden (nur um dann, aus vertraglichen Gründen, mit The Revillos einen Neustart bei einem anderen Label zu wagen).

Ihre Spaßoffensive und der vom Glam-Rock der 70er beeinflusste Punk-Sound konnten sich nie so richtig gegen anarchistische "No Future"-Parolen und den aufkeimenden Nihilismus der New-Romantics durchsetzen.


Sie lagen irgendwo zwischen den B-52s, Sex Pistols, Motörhead und The Sweet – und damit auch ein wenig abseits des damaligen Allgemein-Geschmacks.


Doch so ganz wollten die Musiker um Chefdenker Eugene Reynolds
nicht abtreten.

Es brauchte
zwar einige sporadische Auftritte und halbgare Wiederbelebungsversuche in den 90er und 00er Jahren; dafür stehen die Herren und ihre Dame jetzt nicht nur wieder auf der Matte, sondern auch ziemlich gut im Saft.

Auf dem aktuellen Silberling "Zero" dominiert nach wie vor der metallisch schimmernde und gleichzeitig dreckige Gitarrensound; durchsetzt von einigen Zitaten aus Punk und Mod-Rock. Manchmal beschleicht einen gar das Gefühl, per Zeitkapsel 35 Jahre zurück in die Vergangenheit zu reisen. Denn um 1980 herum hätte diese Musik ebenso gut entstehen können.


Aber "Zero" ist ein Produkt der Gegenwart; eingespielt von Musikern, die heute recht stramm in ihren 50ern stehen. Ihr fortgeschrittenes Alter merkt man der Truppe aber in keiner Sekunde an.

Ganz im Gegenteil: Nach wie vor gehen rollende Gitarrenriffs steil nach vorne - und knallen wie bei "You're So Deep" schön dreckig und laut aus den Boxen.

The Rezillos klingen gerade so, als könnten sie problemlos auch im Hier und Heute sämtliche Musikerkollegen gepflegt von der Bühne rocken (und diese nach dem Auftritt zudem unter den Tisch saufen).


Ein bisschen Spaß muss bei den Schotten in jedem Falle
sein – wie sie bei "Animal" und ihrem Titelsong "Zero" unter Beweis stellen. Hier dient der abgewrackte Speed-Rock als humoristisches Moment, der eine kitschig-gruselige Atmosphäre diverser B-Filmchen heraufbeschwört.

Allerdings wissen The Rezillos sehr wohl, was sie tun.

Ganz in der Tradition des Punk verwurzelt, sind ihre Songs kaum mehr als drei Minuten lang. Pointiert und ohne schmückendes Beiwerk werden die skurrilen Geschichten und markigen Lebensbetrachtungen verhandelt.


Besonders Sängerin Fay Fife
durchsetzt die Lieder mit ihrer kraftvollen Stimme und verleiht ihnen das gewisse Extra. Wenn sie ihrem Organ freien Lauf lässt, sieht so manches "Riot Grrrl" ziemlich blass dagegen aus.

Das authetisch
befreite Spiel des Fünfergespanns, gepaart mit einer unbändigen Freude am Hochgeschwindigkeits-Rock, macht die Truppe auch fast vierzig Jahre nach ihrer Gründung immer noch hörenswert.

Vor allem junge Musiker sollten sich diese Gruppe in puncto Spaß und Energie zum Vorbild nehmen.


Denn zum "alten Eisen" gehören sie nach "Zero" sicherlich nicht. Eher zum heißem Eisen, das die fetten Allerwertesten saturierter Rockmusiker ordentlich brandmarkt.

Eigentlich schade, dass sich die ehemaligen Kunststudenten aus Edinburgh mit ihren irren Ideen nie so richtig durchsetzen konnten. Oder, um es in den Worten der Musiker zu sagen: "Life's A Bitch".

Vielleicht lässt das Schicksal aber zumindest jetzt etwas Milde walten - und beschert dem immer noch extrem jugendlichen Quintett und ihrem "Zero"  nicht nur moderate Verkaufszahlen, sondern in erster Linie auch die späte Anerkennung, die sie allemal verdient hätten.

||TEXT: DANIEL DRESSLER | DATUM: 13.04.15 |  KONTAKT |  WEITER: REVIEW BLANCMANGE "SEMI DETACHED" >




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Website
www.rezillos.rocks


COVER © METROPOLIS RECORDS.

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